Heiligendammer Schützengilde  

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Entwicklung des Schießsports und die Entstehung der
Internationalen Schießsportanlage Heiligendamm


Der Schießsport begeisterte Männer und Jugendliche schon zu allen Zeiten. In der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft diente die Handhabung von primitiven Werkzeugen und Geräten im Ursprung dem Nahrungserwerb. Fauskeil, Keule, Speer und Lanze waren die ersten Waffen. Ihnen folgten Pfeil und Bogen. Diese waren damals eine durchaus ernstzunehmende Fernwaffe. Mit der Erfindung des Pulvers und der Feuerwaffen ging die Waffenentwicklung ständig weiter bis in die heutige Zeit mit kaum noch zu übertreffenden Päzisionsgewehren.

Die Gründung von Schützenbruderschaften, Schützengesellschaften, später Schützenzünften, Schützengilden und Schützenvereinen begann schon im frühen Mittelalter. Wann genau die Gründung des organisierten Schützenwesens in Deutschland erfolgte, kann mit absoluter Sicherheit nicht mehr gesagt werden. Es ist anzunehmen, daß schon in der Regierungszeit von Kaiser Heinrich I. (919-936) das Schützenwesen entstand. Dieser Herrscher verpflichtete nämlich die Bürger zur Bewachung ihrer Stadtmauern. So entstanden in den Städten die ersten Bürgerwehren. Aus Urkunden und alten Schriften ist bekannt, daß sich im 11.Jahrhundert die Bürgerwehren im regelmäßigen Armbrustschießen übten.

In der damaligen Zeit war die Wehrbereitschaft der Männer von entscheidender Bedeutung. Das Schützenwesen prägte die wehrhafte Gesinnung, Mut, Opferbereitschaft und Kameradschaft. Die psychischen Eigenschaften wie Konzentration, Reaktion, Willensstärke, Risikobereitschaft und Zielstrebigkeit formten den wehrhaften Mann. Zur Förderung dieser Tugenden, sowie als Ansporn und Anreiz, wurden alljährliche Schießveranstaltungen/Schützenfeste durchgeführt und der Beste zum "Schützenkönig" gekürt. Die älteste Schützenzunft in Mecklenburg entstand 1410 in Parchim. Im jetzigen Kreis Bad Doberan begann dagegen erst vor 300 Jahren das organisierte Schießwesen. Zunächst gründete sich die Kröpeliner Schützenzunft 1673, es folgte die Schützenzunft Tessin im Jahre 1707 und der Neubukower Schützenverein 1858.
 
Die Doberaner Bürgerwehr war schon Anfang des 19.Jahrhunderts aktiv tätig und hatte ihr Schützenhaus in dem ehemaligen Haus des Handwerks, der "Burg". In "Nimrods Tagebuch" von Charles J. Apperley, veröffentlicht 1910, befindet sich die interessante Schilderung, daß am 9. August 1828 auf der Rennbahn Heiligendamm ein Taubenschießen stattfand. Sehr erfolgreich war Graf Hahn. Am Schießen beteiligten sich der Herzog von Lucca, Prinz Friedrich von Holstein, Graf Voß und weitere Persönlichkeiten. Abends schoß die Adelsgesellschaft mit von Holstein, Graf Voß und weiteren Persönlichkeiten mit Pistolen im Schießhaus der "Burg" auf Scheiben. Wiederum zeichnete sich Graf Hahn mit außergewöhnlichen Schießleistungen aus. Der Besitzer des Schießhauses lieferte Pistolen und Munition und berechnete für jeden Schuß zwei Pence. Am 17.August 1828 erfolgte nochmals ein Taubenschießen auf der Rennbahn in Heiligendamm.

In einem weiteren Bericht von 1910 heißt es unter anderem, daß im Schützenhaus die Doberaner Bürgerwehr in ihren stattlichen Uniformen unter Commando des Herrn v. Langemann Schießübungen abhielt. Anzumerken wäre noch, daß 1882 der Schützenverein Doberan gegründet wurde.
Jagdliches Schießen in
Heiligendamm 1932

1855 ist der Schießstand Heiligendamm neben dem jetzigen Jagdhaus entstanden. In der Forstwirtschaftskarte von 1876 ist dieser Schießstand schon eingezeichnet. Es wurde seinerzeit auf Wild- und Ringscheiben, laufender Hase sowie auf Tauben geschossen. Bis 1897 schoß man noch auf lebende Tauben. 1898 entstand der noch heute im Betrieb befindliche Grabenstand vor dem Jagdhaus. Seitdem wird nur noch auf Tontauben geschossen. In einem Bericht aus dem Jahre 1911 heißt es u.a.: "Heiligendamm kann ein Weltbad genannt werden, es hat alle Vorzüge eines solchen. Die beste Gesellschaft zählt Heiligendamm zu seinen regelmäßigen Gästen. Die in der Nähe liegende Rennbahn gehört mit den Pferderennen zu den größten gesellschaftlichen Ereignissen ganz Norddeutschlands. Die Tennisplätze können als mustergültig bezeichnet werden. Alljährlich treffen sich die besten Spieler der Tenniswelt zum Turnier um den Pokal von Heiligendamm. Fliegende Tontauben, laufende Hasen und wohlplazierte Treffer geben den Scharfschützen Gelegenheit ihre Kunstfertigkeit im edlen Weidwerk zu üben. Das Heiligendammer Schießturnier erfreut sich in der Schützenwelt eines sehr guten Rufes...."

Nach dem 1.Weltkrieg wurde im Jahre 1920 der "Sportverein Heiligendamm" gegründet. Zweck des Vereins war, den Sport, namentlich Tennis-, Reit-, Schieß- und Segelsport zu fördern und zu pflegen. In den dreißiger Jahren besuchten vor allem Schützen aus den skandinavischen Ländern den Heiligendammer Schießstand und stellten ihre Treffsicherheit unter Beweis. Auch Boxweltmeister Max Schmeling konnte mit seiner guten Reaktionsschnelligkeit viele Tontauben vom Himmel holen.
Heiligendamm
"Schmalspurbahn Molli"

Der spätere Präsident der USA Ronald Reagan hat während seiner Göttinger Studentenzeit hier in Heiligendamm ebenfalls an Schießwettkämpfen teilgenommen. Bei einem großen internationalen Wurftaubenturnier 1938 lagen Herzog Friedrich Adolf und Dr. Erich Schoop mit gleichem Ergebnis auf Platz 1. Im Stechen um den Sieg verfehlte Dr. Schoop die letzte Taube, so daß der Herzog das Turnier gewann. Von der einheimischen Jägerschaft war seinerzeit Revierförster Willi Biemann, Ivendorf, ein treffsicherer Schütze. 1943 fand der letzte Wettkampf in Heiligendamm statt. Dann begann, bedingt durch die Kriegsereignisse, der Zerfall des Schießstandes.
 
Zwanzig Jahre später waren nur wenige Reste des Standes vorhanden. Das Gelände versumpft mit Weiden, Erlen und Birken bewachsen; kein Weg führte mehr zum ehemaligen Schießstandgelände. Es war eine Wildnis geworden.

Durch Erläuterungen vor Ort hatte Forstmeister i.R. Willy Bolland dem neuen zuständigen Forstverwalter Oberförster Helmut Mattke die Existenz der ehemaligen historischen Schießanlage Heiligendamm erklärt und somit den ersten Denkanstoß für den Wiederaufbau gegeben.
Ausbau der Schießstätte
Heiligendamm

Seit dem Aufbau des Jagdwesens in der DDR zeigten die Jäger aus Bad Doberan viel Interesse für den Schießsport. Bei den ersten DDR-Meisterschaften im jagdlichen Schießen 1963 errangen die Bad Doberaner Jäger Siegfried Türk und Helmut Mattke mit ihrer Mannschaft den Meistertitel. Dieser große Erfolg bildete mit den Gedanken und Vorstellungen der Bad Doberaner Jagdgesellschaft die Grundlage für den Wiederaufbau des Schießstandes und den Bau des Jagdhauses Heiligendamm. Die Bad Doberaner Jägerschaft unter Leitung von Helmut Mattke und den Hauptakteuren Architekt Siegfried Türk und Fleischermeister Walter Salokat, unterstützt von vielen fleißigen Helfern aus allen Teilen der Bevölkerung, schafften in kurzer Zeit den Wiederaufbau eines modernen Trapschießstandes und den Neubau des Jagdhauses. Schon am 5.Juli 1964 konnte der 1.Internationale Wettkampf im Wurftaubenschießen der Ostseeländer eröffnet und die Gaststätte "Jagdhaus" in Betrieb genommen werden. Seit dem Baubeginn im Jahre 1963 bis zur entgültigen Fertigstellung 1968 entstanden in freiwilliger unentgeltlicher Arbeitszeit der Trap-, Skeet-, Keiler-, Bock- und Überflugstand, das Jagdhaus sowie das Trainingsgebäude, das heutige Schützenhaus. Die Schießsportanlage Heiligendamm hat sich ein Markenzeichen im Schießsport erworben. Die Anlagen gehören zu den schönsten in Europa und nach wie vor kommen Schützen aus nah und fern, um spannende Wettkämpfe in reizvoller Umgebung zu erleben.

Alljährlich fanden große internationale Schießwettkämpfe, Pokalwettkämpfe, Meisterschaften und Kreisschützenfeste statt. Medaillengewinner bei Olympischen Spielen, bei Welt- und Europameisterschaften haben mit ihren Nationalmannschaften hier um den Sieg gekämpft.

Bei internationalen Meisterschaften konnten sich auch Schützen aus unserer Region besonders hervortun. So zum Beispiel Uwe Keppke (Europameister Laufende Scheibe), Manfred Geisler (Europameister Trap und Wurftaube), Jörg Ückert (Bronzemedaille bei Europameisterschaft laufende Scheibe).
Eröffnung IWK Großer
"Preis der Ostseewoche"
in den siebziger Jahren

Nach der Wende errangen unsere Sportschützen bei den Landesmeisterschaften viele Titel und Medaillen. Besonders erfolgreich waren: Volker Lewin, Karsten Beth, Rüdiger Braentel, Heiko Döscher, Dieter Allwardt, Hans Raabe, Kurt Schwarz und Helmut Mattke. Auch bei den Deutschen Meisterschaften in München konnten vordere Plätze belegt werden.
 

 
 Aktuelles

Aktuelle Mitteilung:

Liebe Vereinsmitglieder,

am 24.02.2012 findet um 19.00 Uhr im Schützenhaus der Preisskat der Schützengilde statt.
Zugelassen werden nur Mitglieder und geladene Gäste. Kein öffentlicher Preisskat.


Wichtige Termine:

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